April | 2026
Ein bisschen durften wir Anna schon im vorigen Blogartikel »Moderne Bildung: Das W-Seminar Geschichte« kennenlernen, in dem sie zu ihrer Seminarabeit interviewt wurde. Jetzt ist es an der Zeit, sie ein wenig besser kennenzulernen.
Anna ist seit der 9. Klasse in Stein. Ihr Bruder war ebenfalls Schüler hier und legte sein Abitur bereits 2024 sehr erfolgreich ab. Anna würde man als echte »Frohnatur« beschreiben: immer für Spaß zu haben, dabei aber realistisch und respektvoll, wenn es ernst wird. Sie ist zielstrebig, organisiert, interessiert und hilfsbereit.
Während der 11. Klasse verbrachte Anna ein Jahr in Kanada, um ihren Horizont zu erweitern und persönliche Erfahrungen im Ausland zu sammeln. Auch hier zeigte sich ihre Neugierde und ihr starker Wille, immer mehr zu lernen.
In ihrer Freizeit liebt Anna Tanzen und Unternehmungen mit Freundinnen und Freunden. Sie ist Steinerin durch und durch, stößt gerne Projekte an oder hilft bei deren Umsetzung – zum Beispiel beim Rosenverkauf zum Valentinstag, beim Zimmerstreichen im Kuhstall mit den Mädels oder als Mitglied des Vokalensembles – und engagiert sich in vielen weiteren Aktivitäten.
Anna befindet sich nun in der Q13 und wird in zwei Wochen ihre erste Abiturprüfung schreiben. Wir werden sie im nächsten Schuljahr ganz sicher sehr vermissen.
»An Anna mag ich besonders ihr tolles soziales Verhalten: Sie ist nett zu jedermann, sehr geduldig, immer zugewandt und offen im Umgang mit anderen. Außerdem erlebe ich sie als vielseitig interessiert – wie ein Schwamm saugt sie Wissen auf, immer offen für neue Erkenntnisse. Und dies gepaart mit viel guter Laune und einem feinen Sinn für Humor – einfach wunderbar.«
Martina Levannier | Haupterzieherin der großen Mädchen
»Anna bringt im besten Sinne zwei Welten mit. Sie vereint die Lebhaftigkeit aus dem spanischen Teil ihrer Familie – und auch wenn das vielleicht ein Klischee ist, liebt sie Feste und das Feiern, besonders im Kreis der Familie.
Gleichzeitig bereitet sie sich sehr konzentriert auf ihren weiteren Weg vor. Sie hat ein Auslandsjahr in Kanada absolviert und danach ohne Probleme wieder den Einstieg in die gymnasiale Oberstufe bei uns gefunden.
Besonders schön ist es auch zu beobachten, wie herzlich sie interessierte und neue Schülerinnen und Schüler in Stein aufnimmt und ihnen damit den Weg in die Steiner Familie öffnet.
Ihr Bruder hat bereits 2024 sein Abitur bei uns gemacht und hält bis heute den Kontakt zur Schule. Umso gespannter sind wir, wie es für Anna nach dem Abitur weitergeht.«
Sebastian Ziegler | Gesamtleiter
Im März hatten Anna und ihre Mitschülerin Coline Körper die Gelegenheit, per Videokonferenz Cristina Cristóbal, Vorsitzende und Generalsekretärin des Amical Dachau, kennenzulernen. Cristina Cristóbal berichtete dabei nicht nur über die Erinnerungsarbeit ihrer Organisation, die sich der spanischen Opfer des Konzentrationslagers KZ Dachau widmet, sondern gewährte auch sehr persönliche Einblicke in ihre eigene Familiengeschichte.
Anna mit ihrem Bruder und ihren Eltern.
Für Anna war dieses Gespräch besonders bedeutsam, da sie sich bereits im Rahmen des W-Seminars Geschichte intensiv mit dem Schicksal spanischer Häftlinge in nationalsozialistischen Konzentrationslagern auseinandergesetzt hatte. Die Verbindung zwischen historischer Aufarbeitung, persönlicher Erfahrung und der aktuellen Arbeit im Leistungsfach Spanisch machte das Treffen für sie zu einem wichtigen Moment der Reflexion und des Lernens. Aus diesem Grund folgen hier keine weiteren Interviewfragen, sondern ein Text von Anna:
Coline und Anna in Spanien.
»Zuneigung und Liebe sind das Wichtigste. Alles andere kann man mit Geld kaufen.« Diese Worte stammen von Cristina Cristóbal, Vorsitzende und Generalsekretärin des Amical Dachau, die das Leistungsfach Spanisch bei einem Treffen per Videokonferenz im März kennenlernen durfte.
Der Amical Dachau ist eine Organisation, die gegründet wurde, um die Erinnerung an die spanischen Opfer des Konzentrationslagers KZ Dachau zu bewahren, die Solidarität unter den Überlebenden zu fördern und sich für Aufklärung, Gedenken sowie den Einsatz gegen Faschismus, Rassismus und das Vergessen der nationalsozialistischen Verbrechen an Spaniern einzusetzen.
Da wir uns im Spanisch-Unterricht aktuell intensiv mit der spanischen Erinnerungskultur, insbesondere mit dem Spanischen Bürgerkrieg und dem Franquismus befassen, ergab sich die Möglichkeit, dieses Interview sinnvoll in unseren schulischen Kontext zu integrieren. In einem offenen und persönlichen Austausch berichtete Cristina Cristóbal nicht nur über die Erinnerungsarbeit ihrer Organisation, sondern gewährte uns auch sehr bewegende Einblicke in ihr eigenes Familienschicksal.
Für uns, Coline Körper und Anna Kranzbühler García, war dieses Gespräch von zusätzlicher Bedeutung, da wir uns bereits im Rahmen unseres W-Seminars Geschichte intensiv mit dem Schicksal spanischer Häftlinge in nationalsozialistischen Konzentrationslagern auseinandergesetzt hatten. Viele dieser sogenannten »spanischen Republikaner« waren nach dem Sieg Francos im Spanischen Bürgerkrieg ins Exil nach Frankreich geflohen, wurden später von den Nationalsozialisten verhaftet und unter anderem in Konzentrationslager wie Dachau deportiert.
Fermín Cristóbal López, spanisches Opfer des nationalsozialistischen Regimes, starb am 08.02.1945 im KZ- Dachau. Zuvor war er politisch auf Seiten der Republik aktiv, unter anderem als Redakteur der Zeitschrift „El Adelantado de Segovia“ sowie als Mitglied der sozialistischen Arbeiterpartei Spaniens (PSOE) in Segovia. Quelle: Privatarchiv der Familie Cristóbal.
Im Gespräch wurde deutlich, dass die historische Aufarbeitung dieser Vergangenheit in Spanien lange Zeit nur unzureichend stattgefunden hat. Ein zentraler Grund dafür ist die jahrzehntelange Diktatur unter Francisco Franco, die erst 1975 endete. Während dieser Diktatur ging die Repression und der Terror gegen politische Gegner wie die »Roten« (Republikaner) weiter, sodass von einer aktiven staatlichen Erinnerungskultur für beide befeindeten Seiten des Bürgerkriegs keine Rede sein konnte. Vielmehr wurde einzig die im Bürgerkrieg siegreiche Seite der Franquisten in der offiziellen Erinnerung thematisiert. Franco selbst starb, ohne jemals zur Rechenschaft gezogen worden zu sein, gewissermaßen »als Sieger in seinem Bett«, was eine kritische Auseinandersetzung mit seiner Herrschaft zusätzlich erschwerte. Auch nach dem Ende der Diktatur erschwerte ein gesellschaftlicher »Pakt des Schweigens« (pacto del olvido) eine umfassende Auseinandersetzung mit den Verbrechen.
Cristina Cristóbal vermittelte eindrucksvoll, wie wichtig Menschlichkeit, Empathie und Versöhnung im Umgang mit dieser schwierigen Vergangenheit sind. Besonders berührend war ihre Aussage: »El cariño y el amor son lo más importante. Lo demás se compra con dinero.« (Übers: »Zuneigung und Liebe sind das Wichtigste. Alles andere kann man mit Geld kaufen.«). Damit betonte sie, dass zwischenmenschliche Nähe, Mitgefühl und Respekt einen viel größeren Wert haben als materielle Dinge.
Die Situation in Spanien ist bis heute komplex, da Opfer und Täter des Franquismus beziehungsweise deren Nachkommen oft noch im selben Ort oder sogar in derselben Straße leben. Hinzu kommt ein teilweise fehlender politischer Wille, insbesondere bei Parteien, die als »Erben des Franquismus« gelten.
Cristina Cristóbal López: Enkelin des spanischen Häftlings Fermín Cristóbal López. Als Vorsitzende und Generalsekretärin des Amical Dachau setzt sie sich für die Erinnerung der spanischen Häftlingen im KZ-System ein.
Ein besonders emotionaler Moment während des Gesprächs war, als Cristina Cristóbal uns die Briefe ihres in Dachau verstorbenen Großvaters zeigte. Diese persönlichen
Dokumente machten die historischen Ereignisse auf eindrückliche Weise greifbar und erinnerten uns daran, dass, wie wir bereits im Rahmen unserer Seminararbeit erkannt haben, hinter der Geschichte immer Menschen stehen.
Auch im Rahmen unseres W-Seminars beschäftigten wir uns mit konkreten Einzelschicksalen, etwa mit zwei spanischen Häftlingen aus dem KZ-Außenlager Trostberg: Emeterio López López und Gregorio Culebras Saiz. Dieses Außenlager ist bis heute nur wenig erforscht, was unsere Arbeit umso spannender machte. Besonders interessant war es, Parallelen zwischen ihren Lebensgeschichten und den von Cristina Cristóbal geschilderten Erfahrungen zu erkennen.
Vielen Dank Cristina für diesen schönen, lehrreichen Vormittag!
Anna Kranzbühler García, Q13
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