Klassenfoto 1990er

Stein in der Geschichte:

Die 90er Jahre

Februar | Anna Lang, 12. klasse, Stipendiatin

Ein Blick zurück mit Sebastian Ziegler

„Wie haben sich die 90er Jahre an der Schule Schloss Stein angefühlt?”

Sebastian Ziegler, heute Gesamtleiter, erinnert sich. Er war selbst vier Jahre Schüler in Stein und ist der Enkel der Schulgründerin. 1992 musste sich sein Vater Olaf Ziegler, der damalige Leiter einer längeren medizinischen Behandlung unterziehen und bat Sebastian um vorübergehende Unterstützung für die Zeit seiner Abwesenheit. Er begann mit 28 Jahren ohne die Absicht, dauerhaft zu bleiben. Doch Dr. Peter Wabra, damals Schulleiter, überzeugte ihn, sich vom Diplom-Kaufmann zum Wirtschaftslehrer weiterzubilden. Durch den ersten Kontakt mit Schülern erkannte er, wie besonders das Schulleben als Lehrer hier ist – und blieb.

Sebastian und Olaf Ziegler

Sebastian & Olaf Ziegler

„Von damals bis heute: Was hat sich verändert?”

Nur um einiges zu nennen wurde mit ihm der Wirtschaftszweig eingeführt, sowie der wöchentliche Gesprächsrythmus mit jedem einzelnen Schüler einer Klasse. 

Einige Traditionen, wie die Schnitzeljagd, der Adventsmarkt oder der Julklapp wurden bewahrt und weiterentwickelt. Neue Veranstaltungen wie das Forum der Jugend, die Literaturwoche und auch die Einführung von Schulkleidung kamen hinzu. In jüngster Zeit wurden Initiativen für den großen Winterball und das Fach berufliche Orientierung aufgegriffen und eingeführt.

Mit der Jahrtausendwende und dem hohen Interesse am Wirtschaftszweig wandelte sich die Struktur der Schülerschaft, auch wenn es schon in den 50er Jahren Schüler aus aller Welt gab, sind es heute doch etwa ein Viertel der Schülerinnen und Schüler geworden. Die Schule ist ein globales Dorf mitten im Chiemgau.

„Was gab es für Veränderungen auf dem Campus?”

Physisch hat sich ebenfalls viel getan. Besonders beeindruckend: die Steiner Glasboden-Turnhalle – die allererste ihrer Art. Zudem wurden viele Bereiche immer weiter renoviert, um die Schule und das Internat auf den neuesten Stand zu bringen.

Schüler in den 90ern

„Teilen Sie mit uns eine besondere Erinnerung aus den 90ern”

Herr Ziegler erinnert sich an seine ersten Jahrgänge, zu denen auch der heutige Altsteiner-Vorsitzende Philipp Frauendörfer gehörte. Seine Klasse hatte eine besonders enge Bindung zur Schule – so sehr, dass sie 20 Jahre nach dem Abitur heimlich nachts auf den Schulhof zurückkehrte, um ihre Schulzeit noch einmal zu feiern. Diese Aktion war geheim und hatte nur den heimlichen Segen der liebevollen Schulleiterin Theresia Schilling.

Die 90er an der Schule Schloss Stein – eine prägende Zeit, die den Grundstein für viele Entwicklungen von heute gelegt hat.

Herr Wabra und Angie Ziegler

Angelika Ziegler & Dr. Peter Wabra 

Februar | Marc Wein, Altsteiner

Epochal – ein Gastbeitrag von Altsteiner
Marc Wein 

Neulich beim Italiener, überließ ich meiner zehnjährigen Tochter leichtsinnigerweise mein IPhone. Gelangweilt scrollte sie nach der Lasagne durch die Fotos und blieb schließlich an dem Folder mit dem Titel Schule Schloss Stein hängen. Jene Bilder also, die besonders schlecht belichtet, grobkörnig und unscharf sind, weil sie irgendwann einmal vom Original mit zittriger Hand abfotografiert wurden. Nachdenklich und kritisch blickte sie auf jedes Foto, bis sie letztlich über den Rand des Bildschirms hinweg, den alles entscheidenden Satz auf den Tisch knallte: „Ihr saht damals alle sooo Nineties aus.” Fast hätte ich mich an meinen Spaghetti Vongole verschluckt. Dabei war nicht so alarmierend, was sie sagte, sondern wie sie es sagte. Nämlich mit einem leicht spöttischen, geradezu abfälligen Unterton. Was war jetzt so schlecht in den frühen 1990ern? Gut, wir hatten a-ha, davor Tschernobyl und außerdem Boris Becker, aber ansonsten war der Zeitgeist der breiten Schulterpolster doch eigentlich ziemlich cool und lässig. Irgendwie. Auch wenn einige gerne knallbunte Versace Jackets trugen, andere gebleichte Pumphosen-Jeans bevorzugten, und alle Madonna hörten, so war die Periode doch geprägt von einer Stimmung des positiven Aufbruchs und des globalen Triumphs des Kapitalismus. Material Girl und Gordon Gekko in fröhlicher Gier vereint. Wie gerne verfolgte man im Fernsehen in den Freistunden die mondänen Machtspiele der adeligen Guldenburgs im ZDF. Reich, schön, erfolgreich, und trotzdem glücklich ohne schlechtes Gewissen, und das im Öffentlich-Rechtlichen Fernsehen in Deutschland, das gab es nur in den frühen 1990ern.

Marc und Barbara beim Winterball

Altsteiner Marc Wein & Barbara Deutinger 

Zudem huldigte längst nicht die ganze Schülerschaft dem Stil der Epoche. So mancher Individualist in der Oberstufe lief da gerne in Knickerbocker oder im dreiteiligen Flanellanzug herum. Definitiv 1920er. In der hauseigenen Disco, dem Club, hörten wir nahezu ausschließlich die Plattenauswahl der späten 1970er. Hiiiiiiiiigh Energieeeeeee! Und was IT und Computer angeht, so war das technische Wissen gemeinhin im Jahr 1879 angesiedelt. Zeitgenau bei der Erfindung der Glühbirne also, und genauso fortschrittlich wie der Nachbau des einfachen Stromkreislaufs im Physikunterricht. Zwar hatte die Schule schon damals eine überragende Infrastruktur, vom Sprachlabor, über Tennisplätze, bis hin zur eigenen Reithalle, aber dem nächstbesten Trend wurde nie eilfertig nachgeeifert. Auch in dem erwähnten Club drehte noch lange nach der Erfindung der ordinären Audio-CD der gediegene Plattenteller seine lässigen Runden. Das ist eben eine erhabene, unaufgeregte Nonchalance, kein getriebener Aktionismus. Wir Steiner lieben nun mal beständige Werte, residieren in einem Schloss in blaublütigen Sphären, umweht von Kultur, Historie und Tradition. Was scherten uns die 1990er in den 1990ern? Selbst die Küche servierte damals noch den unsterblichen Toast Hawaii, sowie die aristokratischen Russischen Eier und den legendären Pfirsich aus der Dose. Und von der hoch geschätzten Führungsriege in jenen Tagen brauchen wir gar nicht erst zu sprechen. Wer die schulischen Fotoalben durchblättert von 1948 bis zum heutigen Tag, der wird eine klare Linie erkennen, eine klassische Eleganz und ein konstantes Leitbild, geprägt von Traditionsbewusstsein ohne Prinzipienreiterei. Das ist ein bewundernswertes Vermächtnis über Generationen hinweg. So etwas lässt sich nicht auf den flüchtigen Zeitgeist eines einzigen Jahrzehnts reduzieren, selbst dann nicht, wenn es die glorreichen 1990er sind. Wir Steiner sind letztlich genauso zeitlos wie eine Ray Ban Fliegerbrille, die Barbour Wachsjacke, der Golf GTI, oder eben Dosenpfirsich. – „Und das nächste Mal nimmst du bitte wieder das Malbuch mit zum Italiener.”

Stein in der Geschichte:

Steiner in Paris in den 80ern

Stein in der Geschichte: Die 1980er Jahre

Es war ein Jahrzehnt voller Leichtigkeit und Gemeinschaft, geprägt von Kreativität und unvergesslichen Erlebnissen, die bis heute nachhallen. Angi Ziegler und Philip Remy, Altsteiner und Schüler der 80er, lassen besondere Momente Revue passieren.

1975 | Gipfeltreffen

STEIN IN DER GESCHICHTE: DIE 1970ER JAHRE

Die 70er Jahre: Ein Jahrzehnt des Wandels und Aufbruchs. Friedrich Hörmann, Jung-Altsteiner, hat Angelika Ziegler, unsere Seniorchefin, zu dieser prägenden Zeit interviewt.

Online Informationsabende: Vorstellung der Schule

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